Wenn eine Gemeinschaft zur Heimat wird

Mit zwölf Jahren sind mein Vater und ich auf dem Bürstädter Frühlingsmarkt über einen Stand „gestolpert“. Der Musikzug der Feuerwehr stellte dort seine Instrumente aus. Ein Freund der Familie und der Stabführer assistierten an diesem Stand beim Ausprobieren der Instrumente. Ich war mit meinen zwölf Jahren fasziniert, aber viel zu schüchtern, um die Instrumente in diesem Hof auszuprobieren. Aber das war kein Problem: Man machte mit mir einen Termin aus und ich konnte ganz in Ruhe alle Instrumente kennen lernen, die der Musikzug zu bieten hatte. Ich blieb schlussendlich an der Spielmannsflöte hängen. Im Laufe der Jahre habe ich mich auch an anderen Instrumenten versucht und bin bei dieser Entfaltung meiner Fähigkeiten immer unterstützt worden.

Aber mein Instrument war vom ersten Moment an die Spielmannsflöte – und es wird wohl auch immer die Spielmannsflöte sein.

Ich blieb nicht lange allein. Meine ersten Auftritte führten meinen Vater zum Musikzug und die Gemeinschaft, die dort geboten wird, überzeugte auch ihn. Bald waren nicht nur mein Vater und ich, sondern auch mein Bruder im Musikzug.
Wie stolz ich war, als ich mit dreizehn das erste Mal so weit war, in die große Probe gehen zu dürfen. An diesem Abend traf ich das erste Mal so richtig auf diese Gemeinschaft, die mein Erwachsenwerden begleiten würde. Von der schüchternen dreizehnjährigen über die manchmal auch schwierige Teenagerin bis hin zu der jungen Frau, die ich heute bin, habe ich immer ein zu Hause und Unterstützung im Musikzug gefunden. Auch wenn ich heute aufgrund des Studiums aktuell nicht in Bürstadt lebe, bleibe ich ein Teil dieser Gemeinschaft, die mich immer wieder herzlich willkommen heißt, wenn ich wieder für ein paar Tage nach Hause fahre.

Das ist es, was den Musikzug meiner Meinung nach ausmacht. Sicher, es geht um die Liebe zur Musik und zum gemeinsamen Musizieren, aber im Musikzug der Feuerwehren Bürstadt/Hofheim geht es auch zu einem sehr großen Teil um die Gemeinschaft. Der Musikzug ist ein zu Hause für Menschen aller Altersklassen von acht bis neunzig. Jeder findet dort seinen Platz, jeder wird herzlich aufgenommen, jeder darf sein, wer er ist. Das ist für mich Zusammenhalt, Gemeinschaft und eben Heimat.